|
"Hallo, da bin ich wieder!"
von Siegfried Kümmel 1998
Nach einer
kleinen Pause auf seiner Reise um die Welt hatte er das Meer überquert,
war unbemerkt und fast lautlos über die Dünen hinweg, weiter über die
Wiesen und den Bodden in die engen Gassen unserer kleinen Stadt
geschlichen.
Hatte auf
seinem Wege die Halme und das Rohr, die Zweige der Büsche und die Äste
der Bäume bewegt und die ruhigen Wasser des Boddens in Wallung
gebracht. War hier und da um die Ecken gezogen und hatte dem Einen oder
dem Anderen bereits sein Lied gesungen.
Frisch
begrüßte er mich wie immer und fuhr seicht durch meine Haare.
"Hallo, da bin ich wieder", raunte er mir in die Ohren. "
Ich habe dir viel zu erzählen. Heute nichts Trauriges und Gruseliges,
sondern Schönes und Interessantes".
Dann
hauchte er mir, wo er gewesen, was er gemacht, wen er gesehen und wem er
schließlich geholfen haben. Er habe während seiner langen Reise seine
Langeweile mit Spielen verbracht und habe unter blauen Himmel mit
weißen Wolken gespielt.
Diese wie große Bälle vor sich hergetrieben, über sich geworfen und
sie hinter sich gelassen. Manche seien schon während des Spiels
plötzlich verschwunden, andere wiederum neu aufgetaucht.
Noch vor der Küste und den herrlichen Sandstränden habe er erlebt,
dass aus dunklen und schweren Bällen heraus Flüssigkeit in Tropfenform
abwärts gefallen sei.
"Ein schönes Spielt!, so säuselte er.
Auch habe er auf seiner Reise viele Vögel gesehen. Kraniche auf dem
Wege in ihre Brutgebiete, Gänse auf dem Zuge in ihre Heimat und
Störche auf der Reise zu ihren Stammquartieren. Große silberne Vögel
seien ihm brausend entgegen gekommen, andere hätten ihn sogar
geräuschvoll überholt.
Am Tage
habe ihn die Sonne erwärmt, des nachts hätten ihm die Sterne und der
Mond den Weg gewiesen. Auf blauen Wassern habe er große Schiffe
gesehen, braune und weiße Tuche erblickt, Tuche, befestigt an Stangen
und Masten. Tuche, welche bereits auf ihn gewartet hätten. Er habe sie
gebläht und sie auf seinem Wege vor sich hergetrieben und sie unweit in
die Häfen der stolzen Hansestädte geleitet.
"Jetzt",
so rauschte er mir, "müsse er weiter. Weiter über sanfte Hügel,
Wiesen und Felder, kleine Seen und grüne Wälder in Richtung
Süden".
Er zauste
mir zum Abschied noch einmal durch die Haare, wirbelte die losen
Blätter am Wege auf - und - fort war er.
Im Lande vor den Inseln,
eben,
da lohnt es sich zu sein,
zu leben,
denn hier im lande,
wo wir sind,
erzählt Geschichten,
dir,
der Wind.
|